Ob man nun die Musik von Gomma als Post- oder Future-Disco
bezeichnet, sei dahin gestellt. Der Sound des Labels birgt ohnehin zahlreiche
interessante Facetten, die zur Geltung kommen unter Einbezug kurioser
Einflüsse von Stilblüten vergangener Tage wie Cosmic oder
obskurer Klänge, wie sie früher auf B-Seiten diverser Italo-Disco-Scheiben
zu finden waren.
Daneben gibt es psychedelische Krautrock-Klänge, Postrock-Elektronik
von Kamerakino, The Rammellzees No Wave oder die angenehm ungehobelten
(Acid-) Housetracks eines Tomboy zu entdecken. Was die Veröffentlichungen
der Münchner gleichermaßen sympathisch erscheinen lässt,
ist wahrscheinlich das unbekümmerte, eigentlich selbstverständliche
Tun der Gommagang, die ihre Werke zwar eigenwillig gestaltet, diesen
jedoch unterm Strich ein frisches, belebendes Element zugesteht.
TRACKLISTE
Headman - Rong Hands (Dub Version)
Munk - Disco Clown (Midnight Mike's 128 Bpm Remix)
Tomboy - Finale
WhoMadeWho - Space For Rent (Dirt Crew Remix)
Hiltmeyer Inc. - FinalAahh (Nicky Remix)
Midnight Mike - Hot In The Kitchen
Tomboy - Black Beauty
Munk & Chloé - Ce Kul (Francisco Remix)
Tomboy - Maggie & Samira
WhoMadeWho - Satisfaction
The Rammellzee - Cheesy Lipstick
Munk & James Murphy - Kick Out The Chairs (WMW Version)
Hiltmeyer Inc. - Chefsong
WhoMadeWho - Space For Rent (The Rapture's Hushhush Version)
Den nebenbei insbesondere im Ausland zugestandenen Hipster-Status, den
ähnlich ausgerichtete Labels wie DFA Records oder Output Recordings
ebenso genießen, nehmen die Macher wohl auch eher gelassen zur
Kenntnis. Es gibt schließlich wichtigere Dinge. Die mittlerweile
dritte Compilation aus dem Hause Gomma führt dieses Mal 14 Stücke
aus dem Repertoire zusammen, die bevorzugt tanzflächenorientiert
zu Werke gehen.
Die beiden Munks Mathias Modica und Jonas Imbery mischen dabei in einer
Sommernacht in Schwabing einen Mix, der zugleich bisher Unveröffentlichtes
wie den Nicky-Remix von "FinalAhh" der Hiltmeyer Inc. oder
The Raptures Bearbeitung von WhoMadeWhos "Space For Rent"
enthält. Außerdem gibt es eine Reihe von Titeln zu hören,
die bisher lediglich auf Vinyl erhältlich waren.
Den Beginn macht "Rong Hands" von Headman, er gibt zugleich
einen Ausblick auf sein bevorstehendes zweites Album für Gomma.
Weniger achtzigerlastig und von New Order inspiriert wie zuletzt als
Manhead, klingt es doch typisch nach Headman.
Ansonsten geben sich besonders die ersten beiden Drittel der Zusammenstellung
äußerst tanzbar, nicht zuletzt Dank Tomboy. Das fährt
munter in die Beine und löst ganz nebenbei noch einen diabolischen
Zappel-Reflex aus. Das letzte Drittel gestaltet sich dagegen vergleichsweise
störrisch, was den positiven Gesamteindruck aber nicht weiter schmälert.
Und am Ende versteckt sich als Hidden-Track noch eine andere, energiegeladene
Version von Munks "Disco Clown", die eine massive Kickdrum
mit schweren Gitarrenklängen kombiniert. 65 kurzweilige Minuten
Gomma.